Was haben Wladimir Putin, Viktor Orbán und pöbelnde Rechtsradikale? Ein seltsames Verständnis von Geschlechterrollen. Sie bedienen das Bild des starken Mannes, der es richtet. Und das der schwachen Frau, die brav folgt. Putin hat sich sogar in einem Song von zwei Rappern entsprechend inszenieren lassen. „Go hard like Vladimir Putin“ heißt das Stück – und ist eine Einladung für einen dicken Slow Clap.

Auch wenn das alles reichlich absurd wirkt: Dahinter steckt politisches Kalkül. Putin, Orbán und andere behaupten, eine Alternative zur liberalen Demokratie zu entwickeln. Eine Alternative, in der starke Männer das Sagen haben – und kein Platz für Themen wie Minderheitenschutz oder die individuelle Freiheit ist. Anders gesagt: Viele Anhänger dieser Sicht glauben, dass zur Schau gestellte Männlichkeit das Ideal ist. Weiblichkeit sei dagegen eine Schwäche.

Rechtsradikale sprechen schon seit hundert Jahren von der „weibischen Demokratie“, in der das Volk zugrunde geht, wenn es nicht von einem starken Mann gerettet wird. Das, was uns oft als Schwäche der Demokratie verkauft wird – Interessenausgleich, schwierige Entscheidungsprozesse, lange Umsetzungszeiträume – ist in Wahrheit eine ihrer wesentlichen Stärken. Doch nicht nur aus dieser Perspektive ist eine Hervorhebung des vermeintlich Männlichen übergriffig und gefährlich. Es ist eine Errungenschaft der liberalen, aufgeklärten Gesellschaft, dass das Argument jedes Einzelnen gleich zählt – egal ob es nun von einem Mann oder einer Frau kommt. Diese Botschaft ist leider selbst heute noch nicht zu allen Menschen durchgedrungen.

Spricht man also irgendwo von „unseren deutschen Frauen“, die man vor vermeintlichen Invasoren schützen möchte, dann steckt dahinter eines: die Überzeugung, dass es deutsche Männer sind, die entscheiden, was gut für deutsche Frauen ist – und was nicht.

Wie dieses Denken in Politik gegossen aussehen kann, zeigt der ungarische Ministerpräsident Victor Orbán. Der hat gerade ein Gesetz auf den Weg gebracht, das vordergründig dafür sorgen soll, dass in Ungarn wieder mehr Kinder geboren werden. Die Geburtenrate dort ist extrem niedrig. Die Zahl der Auswanderer ist dafür kontinuierlich hoch. Statt sich zu fragen, was an seiner Politik falsch sein könnte, schiebt er Frauen den schwarzen Peter zu und setzt sie massiv unter Druck. Die Frau reduziert auf eine Rolle als Gebärmaschine, der man die Bürde der freien Entscheidung abnimmt. Das hat zwar eine gewisse Tradition, ist aber das Gegenteil von dem, was eine offene Gesellschaft braucht.

Wenn Dir also jemand erzählen will, dass es einen starken Mann braucht, oder welche Rolle die Natur den Frauen in der Gesellschaft zugedacht hat: Zieh die Augenbraue hoch und fang einen ironischen Slow Clap an. Mehr hat der wirre Glaube an die angeborene männliche Überlegenheit nicht verdient.