Ria Schröder

Ria Schröder ist Jahrgang 1992 und Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen. In dieser Funktion kämpft sie an vorderster Front für Generationengerechtigkeit und eine liberale, weltoffene Gesellschaft. Sie ist Juristin und arbeitet in einer Hamburger Kanzlei.

#ClapForCrap: Ria, wie nimmst Du die Entwicklungen der letzten Jahre wahr? Ist die Gesellschaft in den letzten Jahren eher liberaler geworden? Oder hast Du eher das Gefühl, dass Intoleranz und Diskriminierung wieder zunehmen?

Ria Schröder: Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, wie man denken würde. Denn manchmal ist es ja gar nicht die Welt, die sich ändert, sondern auch die eigene Perspektive.

#ClapForCrap: Wie genau meinst Du das?

Ria Schröder: Ich bin in einem Dorf im Hunsrück aufgewachsen. Für mich waren Rassismus, Rechtsextremismus und Diskriminierung lange Zeit ein Thema aus der Vergangenheit. Natürlich hat man auch mal mitbekommen, dass es so etwas wie Neonazis noch gibt. Aber begegnet sind die mir nicht. Und die Behandlung des Nationalsozialismus in der Schule, das war ja auch rein geschichtlich. Wenn ich heute an die NSU-Morde denke. Das ist passiert in einer Zeit, in der ich schon gelebt habe. Das ist nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart. Ich musste erst nach und nach, als ich meine Blase verlassen habe, erkennen, dass Diskriminierung für viele Menschen in Deutschland ein alltägliches Phänomen ist. Das hat mich nachdenklich gemacht.

#ClapForCrap: Also würdest Du sagen, es ist in den letzten Jahren gar nicht schlimmer geworden in Deutschland, was Ausgrenzung und Intoleranz angeht, sondern wir achten nur mehr darauf?

Ria Schröder: Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Die heftige Sprache von Rechtspopulisten wie Pegida, die Vorfälle in Chemnitz oder diejenigen, bei denen Heidenau Flüchtlinge in einem Bus angefeindet wurden, das ist eine neue Qualität. Aber ich habe gleichzeitig das Gefühl, dass viele Menschen inzwischen sensibler geworden sind und Ausgrenzung zunehmend als solche erkannt wird. Dazu haben auch Kampagnen wie #MeToo oder #MeTwo wertvolle Beiträge geleistet. Auch wenn diese in der Entwicklung leider von manchen für Fehlbeschuldigungen missbraucht worden sind.

#ClapForCrap: Dabei lassen gerade die Reaktionen auf diese Kampagnen oft das Gegenteil vermuten. Wir erleben das mit #ClapForCrap auch schon in Ansätzen.

Ria Schröder: Ich glaube, es ist ganz normal, dass positive Veränderungen oft besonders heftige Gegenreaktionen provozieren. Man sollte sich davon aber nicht täuschen lassen.

#ClapForCrap: Also ruhig bleiben und ironisch klatschen?

Ria Schröder: Natürlich nicht nur. Es braucht echtes Engagement darüber hinaus.

#ClapForCrap: Und wenn man gar nicht persönlich betroffen ist?

Ria Schröder: Dann erst recht. Man muss doch nicht erst Opfer von Diskriminierung werden, um zu erkennen, dass das nicht gut ist. Ich habe selbst eine Weile gebraucht, um die Empathie aufzubringen, mich auch in Menschen hineinzuversetzen, die eine ganz andere Realität erleben. Aber ich finde, dass das wichtig ist, wenn unsere Gesellschaft lebenswert sein und bleiben soll. Gerade in Zeiten des Umbruchs.

#ClapForCrap: Jetzt wundern sich vielleicht einige Menschen, dass solche Forderungen von einer Liberalen kommen. Heißt Liberalismus nicht, dass jeder sich nur um sich kümmert?

Ria Schröder: Gerade nicht. Ganz im Gegenteil. Eine freiheitliche Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn die Menschen ihre Freiheit auch nutzen, um Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Freiheit, das heißt auch, dass Minderheiten ohne Angst vor Herabwürdigung oder gar Übergriffen leben können. Das ist doch die Voraussetzung dafür, dass man sein Glück überhaupt in die eigene Hand nehmen kann. Neben dem Rechtsstaat ist das eine wesentliche weitere Säule der liberalen Demokratie. Und strukturelle Diskriminierung muss man dann auch als Angriff auf diese verstehen.

Über die Jungen Liberalen

Die Jungen Liberalen, auch Julis genannt, sind die liberale Jugendorganisation Deutschlands. Sie haben etwa 10.000 Mitglieder über ganz Deutschland verteilt und setzen sich für Zukunftsthemen wie Generationengerechtigkeit ein. In der Vergangenheit haben die Julis auch schon große Politik in Deutschland gestaltet. So ging die Abschaffung der Wehrpflicht von ihnen aus.

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#ClapForCrap: Warum hast Du Dich eigentlich dafür entschieden, Dich in einer politischen
Jugendorganisation zu engagieren? Du hättest ja auch Online-Aktivistin werden oder eine der immer mehr werdenden NGOs unterstützen können.

Ria Schröder: Das stimmt natürlich. Es ist ja auch gut, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, sich zu engagieren. Doch in der Demokratie ist die Politik der beste Weg etwas zu verändern, und zwar quer durch alle Themengebiete. In den Parlamenten werden alle wichtigen Entscheidungen getroffen. Wir Junge Liberale stellen immerhin zwölf Bundestagsabgeordnete in der FDP-Fraktion, unter anderem Nicole Bauer als Frauenpolitische Sprecherin, Jens Brandenburg als Sprecher für LGBTI, Gyde Jensen als Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, den Klimapolitischen Sprecher Lukas Köhler oder meinen Vorgänger Konstantin Kuhle als Innenpolitischen Sprecher. Da lassen sich wirklich Dinge bewegen.