Intoleranz zeigt sich oft bereits in Sprachmustern. Wir zeigen euch, wie ihr rechtsradikalen Crap erkennt – und was ihr dagegen tun könnt.

Erkennungsmerkmale

Rechtsradikalismus ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das mit den unterschiedlichsten Gesichtern daherkommen kann. Man sollte sich daher zunächst von dem Gedanken verabschieden, dass man es in der Regel mit einfach erkennbaren Neonazis zu tun hat. Glatzen und Springerstiefel sind selbst innerhalb der Szene rund um die NPD inzwischen selten. Das neue Gesicht des Rechtsradikalismus kommt bürgerlich daher, zum Teil mit angesehenen Berufen, teilweise in der Sprache bewusst zurückgenommen, in der Sache allerdings kein bisschen weniger radikal.

Auftreten

Aggressiv und brutal, dogmatisch, diskriminierend, kompromisslos, diffamierend, emotional, menschenverachtend.

Typische Aussagen

  • „Hier findet gerade eine Umvolkung statt, ein großer Bevölkerungsaustausch.“
  • „Es braucht endlich eine Revolution gegen die Merkel-Diktatur. Dann wird aufgeräumt und dann gnade denen da oben Gott.“
  • „Wir müssen unsere deutsche Kultur und unsere deutschen Frauen schützen – auch mit Gewalt!“

Typische Informationsquellen

Rechtsradikale sind absolute Gegner der von ihnen geschmähten „Mainstreammedien“ oder „Systemmedien“. Allerdings nutzen sie diese durchaus selektiv, wenn sie ihnen in die Hände spielen. Ansonsten bedienen sie sich aus dem explodierenden Spektrum stramm rechter Publikationen, offline wie online. Zu nennen sind beispielsweise die Junge Freiheit, Sezession, Zuerst, Compact, die Blaue Narzisse oder Netzplanet sowie die Facebook-Seiten von AfD und Pegida, Tatjana Festerling und Co.

Argumentationsmuster

Rechtsradikale nutzen die immer gleichen Kampfbegriffe, die darauf abzielen, sie in die Opferrolle zu befördern, aus der heraus sie dann ein Recht auf Widerstand ableiten. Die Flüchtlingskrise wird dann als lang geplante „Umvolkung“ beschrieben, ein „Bevölkerungsaustausch“, mit dem die Regierung versuchen will, die „echten Deutschen“ wahlweise zu vernichten oder kleinzuhalten. Sie versuchen, sich als letzte wahre Demokraten, als letzte Kämpfer für die Freiheit darzustellen, weil diese Schlagwörter positiv besetzt sind. Die Forderung nach direkter Demokratie und die Parole „Wir sind das Volk!“ sind in diesem Kontext zu verstehen – wobei direkte Demokratie nur dann gewollt ist, wenn man glaubt, die Mehrheit auf seiner Seite zu haben. Ihr Ziel ist faktisch das Gegenteil. Den Überzeugungstätern schwebt ein Gesellschaftsmodell ähnlich der autoritären Ordnung in Russland vor: Ein Pseudoparlament, darüber ein starker Mann, der Politik für ein vorgeblich homogenes Staatsvolk macht und Minderheiten unterdrückt.

Umgangsempfehlung

Eine inhaltliche Empfehlung mit den „Argumenten“ der Rechtsradikalen sollte weitgehend vermieden werden. Wer Demokratie und liberale Lebensart abschaffen will, sollte nicht noch damit belohnt werden, dass man sich von ihm die Diskussionsthemen diktieren lässt. Vielmehr geht es darum, Respekt einfordern, Leitplanken einziehen und darin Härte zu zeigen. Eine der Hauptüberzeugungen der Rechtsradikalen ist, dass die Demokratie zu schwach ist, um sich gegen ihre Feinde zu wehren. In der Weimarer Republik behielten die Vertreter dieser Meinung Recht. Wenn man im Gespräch mit den rechtsradikalen Überzeugungstätern nicht zurückweicht, ihnen auch öffentlich mit aller Härte die Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat entgegenhält, nimmt man ihnen den Wind aus den Segeln. Beim Überschreiten von strafrechtlichen Grenzen sollte man das Gespräch abbrechen und Anzeige erstatten, um zu zeigen, dass man tatsächlich bereit ist, die Grenzen des Rechtsstaats zu verteidigen. Denn: Appeasement gegenüber Radikalen hat noch nie funktioniert.