Bevor man Crap wegklatschen kann, muss man ihn erst erkennen können. Manchmal ist das einfach. Sätze wie „Alle Ausländer sind Verbrecher“ oder „Schwulsein ist eine Krankheit“ sind eindeutig Crap. Nur: So einfach ist es selten. Gegner der offenen Gesellschaft haben einen Sprachduktus entwickelt, der auf den ersten Blick nicht problematisch wirkt. Oftmals sind solche Aussagen bis in die Mitte der Gesellschaft anschlussfähig. Erst auf den zweiten Blick wird die Gesinnung offenbar. Folgende Punkte helfen Dir, Crap zu erkennen, auch wenn er gut versteckt ist:

  • Freund-Feind-Denken: Wird so getan, als ob es nur noch Schwarz und Weiß gibt? Das ist der Fall, wenn von „Wir Deutsche gegen die Ausländer“ oder „Wir hier unten gegen die da oben“ gesprochen wird. In der Wissenschaft nennt man das von Freund-Feind-Denken. Praktisch werden dadurch ganze Gruppen entindividualisiert – und das ist natürlich Crap!

  • Verallgemeinerungen: Sätze wie „Alle Muslime sind Terroristen“ oder „Alle Politiker sind korrupt“ pauschalisieren und scheren Individuen über einen Kamm. Da solche Verallgemeinerungen nie der Realität entsprechen, ist das Crap!

  • Entmenschlichung: Linksradikale bezeichnen Demokraten als „Kapitalistenschweine“. Rechtsradikale sprechen von Linken als „Wucherung am deutschen Volkskörper“. Oder sie träumen von der „Entsorgung“ demokratischer Politikerinnen, wie es der AfD-Chef Alexander Gauland getan hat. Beide Seiten vereint: Sie vergleichen Menschen mit Tieren oder Krankheiten und sprechen ihnen dadurch das „Menschsein“ ab – totaler Crap.

Allgemein gilt:

Man sollte nicht hysterisch hinter jedem „dummen Spruch“ eine radikale Einstellung vermuten. Bei einer Häufung solcher Positionen darf man von einer entsprechenden Überzeugung allerdings ausgehen – auch wenn die Gesprächspartner das noch so heftig bestreiten („Bin ich jetzt ein Nazi, nur weil ich die Wahrheit sage?“). Und auch wenn etwas tatsächlich mal nur so dahingesagt ist: Crap bleibt Crap. Und da kann man dann schon mal klatschen, um die Leute zum Nachdenken zu bringen.

  • Lügen: Verbreitet jemand diffamierende Lügen über Journalisten, Politiker und Minderheiten, dann ist das – Crap, genau!

  • Herabwürdigung: Werden Andersdenkende herabgewürdigt und als „Gutmenschen“ oder als „psychisch gestört“ bezeichnet? Dann musst Du nicht lange nachdenken, denn das ist Crap.

  • Victim Blaming: Nach sexuellen Übergriffen werden die Opfer oft als Mitverantwortliche dargestellt („Mit dem kurzen Rock musst Du Dich nicht wundern“). Es findet eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Generell gilt: Es gibt keine Entschuldigung für Sexismus und sexuelle Übergriffe. Victim Blaming ist daher absoluter Crap.

Man sollte natürlich nicht hinter jedem „dummen Spruch“ eine radikale Einstellung vermuten. Häufen sich solche Aussagen, kann man jedoch von entsprechenden Denkmustern ausgehen. Und zwar auch dann, wenn der Gesprächspartner das noch so heftig bestreitet („Bin ich jetzt ein Nazi, nur weil ich die Wahrheit sage?“). Doch auch wenn etwas mal nur so dahergesagt ist: Crap bleibt Crap. Und dann kann man schon mal klatschen, um die Leute zum Nachdenken zu bringen.